Cerro Azul


Auf der alten Landebrücke

„They’re anglin’ in Laguna in Cerro Azul
They’re kicking out in Doheny too
I tell you surfin’s mighty wild
It’s getting bigger every day
From Hawaii to the shores of Perú“
The Beach Boys, Surfin‘ Safari


Die einzige Landebrücke in Cañete

Cerro Azul liegt etwa 130km südlich der peruanischen Hauptstadt Lima in der Provinz Cañete. Mit dem Bus kann man es in etwa zwei Stunden erreichen und den kilometerlangen Strand und die Fischrestaurants genießen. Außerdem hat Cerro Azul eine gewisse Bekanntheit als Surf Spot erreicht. Was sich aber heute kaum vermuten lässt: der beschauliche Ort hat eine bewegte Vergangenheit.

In der Vor-Inkazeit gab es in Cañete einen Zusammenschluss verschiedener Kulturen unter dem Häuptling Chuquimanco. Dieser wurde jedoch vom Inka Pachacutec im 15. Jahrhundert nach heftigen Widerständen unterworfen. Da die Kämpfe etwa 10 Jahre dauerten, ließ Pachacutec dort eine Festung errichten. Die Fortaleza de Huarco war nach dem spanischen Chronisten Pedro de Cieza de León eine der eindrucksvollsten jener Zeit in Perú. Die Reste der Anlage kann man noch heute besichtigen.

Im Jahr 1615 war Cerro Azul dann Schauplatz einer dramatischen Seeschlacht. Eine spanische Flotte von sieben Schiffen geführt vom ziemlich unerfahrenen Rodrigo de Mendoza, Neffe des spanischen Vizekönigs, stellte sich sechs, angeblich randvoll mit Gold beladenen Schiffen des holländischen Freibeuters Joris van Spilbergen in den Weg. Spilbergens Auftrag war die spanische Verteidigung an der Pazifikküste zu zerstören und einen neuen Weg nach Asien über die Magellanstraße zu finden. Nachdem er unter anderem Valparaiso in Chile geplündert hatte segelte er nun die peruanischen Küste auf der Suche nach neuer Beute hinauf. Die Schlacht war ein ziemliches Desaster für die Spanier, sie verloren 2 Schiffe und etwa 500 Seeleute, während die Holländer nach vergleichsweise geringen Verlusten weiter nach Norden vordringen konnten.


Fischrestaurant „Puerto Azul“

Nach der Unabhängigkeit von Spanien ging es für Cerro Azul wirtschaftlich bergauf: 1830 wurde es zum Handelshafen der Region ausgebaut. Es wurde Guano und Zuckerrohr verschifft und später auch eine Landungsbrücke aus Holz mit eigener Zuglinie errichtet. Schiffe gingen damals nach England und Holland. Allerdings basierte die Wirtschaft auch auf dem Einsatz von Halbsklaven aus China und Polynesien, die Guano abbauen und in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Während des Salpeterkrieges wurde Cerro Azul dann 1881 vom chilenischen Admiral Patricio Lynch besetzt. Der befreite die Sklaven und gliederte sie kurzerhand in seine Armee ein, die dann plündernd und brandschatzend Richtung Lima zug.

1873 war Perú das erste lateinamerikanische Land, das Diplomatische Beziehungen mit Japan aufgenommen hat. Um 1899 kamen dann die ersten japanischen Immigranten und in Cerro Azul ging ein großer Teil von ihnen an Land. Heute zeugt davon ein Denkmal an der Stelle, wo sich damals die alte Landungsbrücke befand.

In den Zwanzigerjahren wurde dann Baumwolle im großen Stil angebaut und somit eine größere Landungsbrücke benötigt, die dann 1925 aus Beton errichtet wurde. 1972 wurde der Hafen geschlossen und die Landungsbrücke stillgelegt, da mittlerweile die nahe Panamerikana Schnellstraße bessere Transportmöglichkeiten bot. Sie steht aber heute noch und ist ein beliebter Platz zum Fischen oder hilft den Surfern mit einem beherzten Sprung schneller zu den weltberühmten Wellen zu gelangen.

Im April 2005 schließlich hat Mike Love, Gründungsmitglied der Beach Boys, Cerro Azul zum ersten mal besucht. Beim Konzert in Lima widmete er dann zusammen mit seinen Bandkollegen den Song „Surfer Girl“ der peruanischen Surfweltmeisterin von 2004, Sofía Mulanovich.